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Warum ist eine Wärmepumpe in Deutschland teurer als in vielen anderen Ländern?

  • Autorenbild: Wolfgang Gründinger
    Wolfgang Gründinger
  • vor 5 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Wärmepumpen sind in Deutschland teurer als in vielen anderen Ländern wie z.B. in Frankreich oder Großbritannien. Warum ist das so?


Teilweise sind die Preisunterschiede enorm. Eine Studie der RWTH Aachen für den Wärmepumpen-Anbieter Octopus ergab, dass die Installationskosten für eine Wärmepumpe in Deutschland fast doppelt so hoch sind wie in Großbritannien.


Manche mutmaßen daher, dass sich die Heizungsbetriebe die Taschen voll machen - dank staatlicher Förderung. Das aber ist nicht stimmig. Die Gründe müssen woanders liegen.



Staatliche Förderung


Die staatliche Förderung für Wärmepumpen ist relativ großzügig: Es gibt bis zu 70% der Kosten, maximal aber bis zu 21.000 Euro vom Staat. Dabei gewährt Deutschland die Förderung prozentual zum Kaufpreis, was - so zumindest die Vermutung mancher - die Installateure dazu veranlassen könnte, den Preis möglichst hoch anzusetzen, um möglichst viel Fördergeld zu kassieren.


Die Förderung braucht sicherlich eine Evaluation. Dass aber allein die Förderung für die Preisunterschiede verantwortlich sein soll, ist nicht plausibel. Denn: Der Markt funktioniert nach Angebot und Nachfrage. Der gesamte Heizungsmarkt ist 2023/24 massiv eingebrochen. Das Angebot der Heizungsbauer trifft also auf eine gesunkene Nachfrage. In einem solchen Angebotsüberhang können Betriebe keine Knappheitspreise durchsetzen, da Wettbewerber sie schnell unterbieten würden.


Zudem sind die Preise für Wärmepumpen nicht stärker gestiegen als für Gasheizungen - trotz der Einführung der neuen Förderung. So stellt es die Verbraucherzentrale fest. Auch das spricht gegen eine Überförderung der Branche.


Obendrein ist die Förderung unnötig kompliziert. Nur ein Beispiel: Der Hausbesitzer muss die Förderung selbst beantragen - und macht das immer zum ersten Mal. Der Installateur, der das Formular schon hundertmal gesehen hat, darf die Förderung dagegen gar nicht beantragen. Das führt zu unnötigem Frust auf allen Seiten.


Mehrwertsteuer


Ein wichtiger Preisbestandteil ist die Mehrwertsteuer. Und die ist in Deutschland deutlich höher als anderswo. Die Mehrwertsteuer auf Wärmepumpen beträgt hierzulande 19%, in Frankreich hingegen nur 5,5%, und in Großbritannien fällt sie ganz weg - denn dort hat der Gesetzgeber Wärmepumpen komplett von der Mehrwertsteuer befreit. Allein das macht schon einen Unterschied von rund 5.000 Euro aus. Schon damit allein lässt sich ein guter Teil der Preisunterschiede also erklären.


Installationskosten


Der größte Kostenblock bei der Wärmepumpe sind die Installationskosten. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat eine umfangreiche Analyse von 160 Angeboten vorgelegt und die Spannbreite der Installationskosten untersucht. Das Ergebnis: Hier gibt es erhebliche Unterschiede schon zwischen den Anbietern innerhalb Deutschlands.


Die Heizungsbauer in Deutschland sind Teil des SHK-Handwerks, also Sanitär, Heizung, Klima. Sie sind in der Regel nicht auf Wärmepumpen spezialisiert, sondern haben eine große Bandbreite an Angeboten. Sie benötigen zudem - anders als bei Gasheizungen - auch die Kompetenz von Elektrofachbetrieben, um Wärmepumpen zu installieren. Anders als in vielen Nachbarländern war in Deutschland die Gasheizung traditionell stark. Viele Betriebe haben daher mit der Wärmepumpe noch wenig Erfahrung. Sie benötigen daher mehr Zeit und müssen öfter nacharbeiten, was sich in den Arbeitsstunden und damit den Lohnkosten niederschlägt. Höhere Lohnkosten erklären bereits 500 bis 3.000 Euro im Vergleich zu unseren Nachbarländern, wie eine Analyse von Heat Pump Watch zeigt.


Viele Zählerschränke in deutschen Kellern und Hauswirtschaftsräumen sind außerdem veraltet. Sie müssen erst saniert werden, was laut Auswertung der Verbraucherzentrale im Schnitt über 3.000 Euro kostet. Andere Länder, wo bereits elektrisch geheizt wird, haben dieses Problem nicht.


In anderen Ländern, insbesondere Frankreich, wird dagegen traditionell mit Strom geheizt. Heizungsbetriebe haben daher bereits Routine und sind auf Elektrotechnik ausgerichtet.


Technische Anforderungen


In Großbritannien ist die Wärmepumpe auch deshalb so günstig, weil diverse technische Anforderungen dort nicht gelten. 


Viele Häuser verfügen dort über keinen separaten Pufferspeicher, der Wärme zwischenspeichert und genug Wasservolumen sowie Durchfluss im Heizsystem sicherstellt. Stattdessen wird der Heizkreis als Pufferspeicher verwendet. Damit kann man dann aber nicht mehr jeden einzelnen Raum individuell regulieren. In Deutschland dagegen schreibt das Gesetz vor, dass jeder einzelne Raum regulierbar sein muss. Außerdem fehlt in Großbritannien die in Deutschland übliche Ausstattung mit einem Abtau-Puffer, der im Winter für die Enteisung der Wärmepumpe eingesetzt wird, ebenso wie der zusätzliche Heizstab, der bei Ausfall der Wärmepumpe einspringt.


Außerdem gibt es deutlich weniger Anforderungen für die Aufbereitung des Heizungswassers; die VDI-Norm 2035 verteuert die Wärmepumpe in Deutschland schon mal um 2.000 Euro. Und es gibt in Großbritannien meistens keinen hydraulischen Abgleich (also die Optimierung des Heizwasserbedarfs für die Heizkörper). 


Englische Gebäude haben meistens auch keinen Heizungskeller, mit entsprechend kürzeren und einfacheren Leitungswegen. 


Zudem sind die gesetzlichen Vorschriften für Lärm und Effizienz in Großbritannien nicht so streng wie in Deutschland. Hier müssen also leisere (und damit schwerere) Wärmepumpen verbaut werden, was auch wiederum es erfordert, dass ein Betonsockel als Fundament gegossen werden muss. Allein das Fundament schlägt mit Mehrkosten von 1.000 bis 2.200 Euro zu Buche. Dazu kommt die Umstellung auf das moderne, aber auch teurere natürliche Kältemittel Propan R290. 


All das bringt zwar mehr Komfort, mehr Effizienz im Betrieb und verlängert die Lebensdauer, erhöht aber auch die Baukosten. In Großbritannien soll eine Heizung nur zehn Jahre halten - damit wären wir Deutschen nicht gerade zufrieden. Daher investieren wir eben mehr in die Qualität, was sich am Ende auszahlt.


Wenn Installateure die Preise reduzieren wollten, müssten sie also gegen Vorschriften verstoßen oder auf übliche Komponenten verzichten. Deutschland will besser sein als die Nachbarn - und das hat seinen Preis. 


Verunsicherung


Die hitzige Debatte über das “Heizungsgesetz” und die Verbreitung von Falschinformationen selbst durch Spitzenpolitiker sorgten für massive Verunsicherung. Die ständigen gesetzlichen Veränderungen tragen ihr Übriges zur abwartenden Haltung der Privathaushalte bei.


Das schlägt sich nieder in einem versteckten Kostentreiber: den Kundenakquise-Kosten. Das heißt: Wie viel Geld muss ein Betrieb aufwenden, um einen Kunden zu gewinnen? Dazu gehören vor allem die Arbeitszeit, die in Vertriebs- und Beratungsgespräche, Heizlastberechnung und Vor-Ort-Prüfung des Gebäudes fließt, bevor der potentielle Kunde überhaupt unterschrieben hat. Entscheidet sich in einem hypothetischen Beispielszenario nur jeder zehnte Kunde für einen Vertrag und fließen 10 Arbeitsstunden in jeden Interessenten, muss ein Betrieb allein 100 Arbeitsstunden aufwenden, um nur einen einzigen Kunden zu gewinnen. Dazu kommen Kosten für Werbung, Marketing, Informationsveranstaltungen usw. Oft lassen sich Kunden monatelang von mehreren Anbietern beraten, bis sie sich final entscheiden. Was für den Kunden gut ist, um Angebote zu vergleichen, erzeugt Kosten bei den Betrieben - und treibt die Preise nach oben.



Was tun für günstigere Wärmepumpen?


Was also tun für günstigere Wärmepumpen? Die Reduzierung bürokratischer Regulierungen würde die Kosten senken, und die Vereinfachung der Förderung würde für mehr Effizienz in den Abläufen sorgen. Wichtig ist auch ein klares Bekenntnis der Politik zur Wärmepumpe und die aktive Bekämpfung von Falschinformationen würden mehr Sicherheit und Planbarkeit herstellen. So können sich Haushalte, Installateure und Hersteller auf einen Pfad einstellen und entsprechend investieren.


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