• Wolfgang Gründinger

Solaranlage mieten oder kaufen? Ein Vergleich der Wirtschaftlichkeit


Solaranlage mieten oder kaufen? Welche Option besser passt, hängt vor allem davon ab, auf was Sie Wert legen und welche Vorlieben Sie haben.


Neben dem klassischen Kauf entscheiden sich heutzutage viele Menschen bewusst für die Solaranlage zur Miete. Sie schätzen den Vorteil der Kostentransparenz und Sicherheit über 20 Jahre, denn Wartung und Austausch defekter Bestandteile wie Wechselrichter oder Speicher sind vollständig inklusive. Auch die Finanzierung nimmt die Miete komplett ab: Man braucht sich nicht bei der Bank um einen günstigen Kredit bemühen, und benötigt keinen Eintrag ins Grundbuch. Die Solaranlage zur Miete bietet damit einen einfachen und sicheren Zugang zu sauberem, Solarstrom vom eigenen Dach.


Die Kostenunterschiede zwischen Kauf und Miete hängen vor allem davon ab, was man einbezieht und welche Annahmen man trifft. Wichtig für den Vergleich ist: Neben den Anschaffungskosten für Solaranlage, Speicher und Wallbox müssen auch weitere Kosten berücksichtigt werden: für den Austausch des Wechselrichters, den Ersatz des Speichers, die Wartung und weitere Betriebskosten, sowie die Finanzierungskosten.


Egal, ob man mietet oder kauft: Eine Solaranlage lohnt sich langfristig immer. Für den eigenen Geldbeutel, vor allem aber für das Klima und die Zukunft von uns und unseren Kindern.


Das kostet eine Anlage zum Kauf


Die Preisspanne einer Solaranlage ist sehr breit, und aufgrund von Materialknappheit, voller Auftragsbücher und Inflation haben sich die Preise zuletzt teils stark verändert. Um einen möglichst objektiven Überblick zu gewinnen, haben wir daher die Preise aus mehreren neutralen und unabhängigen Quellen gesammelt und hier gegenübergestellt. Wer mehr über diese Quellen wissen will, findet mehr Informationen am Ende dieser Seite.


Solaranlage


Die Angaben über die Kosten einer Solaranlage variieren sehr stark. Die Preise weisen eine große Bandbreite auf, sodass ein objektiver Preis schwer zu ermitteln ist.


Infolge der Covid-Pandemie und des russischen Krieges in der Ukraine sind die Preise zuletzt stark gestiegen. Die aktuellen Preise Anfang/Mitte 2022 liegen deutlich höher als ein Jahr zuvor.


Pro Kilowatt (kWp) Leistung gibt es folgende Preisschätzungen:


Beispiel:


Eine Solaranlage mit einer Leistung von 8,1 kWp kostete im März 2022 durchschnittlich 12.960 € (netto) nach Angaben der Verbraucherzentrale. Der Preis versteht sich als Systempreis inklusive Montagekosten.


Speicher


Auch für Batteriespeicher gibt es erhebliche Preisunterschiede auf dem Markt. Pro Kilowattstunde (kWh) Kapazität gehen Studien von folgenden Kosten aus.


Beispiel:


Ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von 10 kWh kostet 9.500 € (netto) inklusive Montagekosten, wenn man den mittleren Preis des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zugrunde legt.



Ersatzspeicher


Die Lebensdauer eines Speichers wird vom Fraunhofer Institut, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) und dem Bundesverband Energiespeicher auf 13 bis 15 Jahre beziffert. Dann muss der Speicher ausgetauscht werden.


Die Kosten, die dann anfallen, werden von der HTW Berlin auf 50% der ursprünglichen Anschaffungskosten veranschlagt (plus Inflation). Das Fraunhofer Institut spricht von 40% bis 50% der ursprünglichen Anschaffungskosten (plus Inflation).


Allerdings ist ein Ersatzspeicher nicht vorsteuerabzugsfähig. Das heißt: Man kann sich die gezahlte Mehrwertsteuer nicht vom Finanzamt erstatten lassen. Auf den Netto-Preis muss man also nochmal 19% Mehrwertsteuer aufschlagen.


Beispiel:


Der Ersatz eines Speichers mit 10 kWh Kapazität nach 15 Jahren Lebensdauer kostet 4.275 € (netto), wenn man 45% der Ursprungskosten ansetzt und die Inflation vernachlässigt. Rechnet man eine Inflation von 2% pro Jahr dazu, belaufen sich die Ersatzkosten auf 5.754 € (netto). Hinzu kommen 19% Mehrwertsteuer, die nicht erstattungsfähig sind. Unterm Strich kostet der Ersatzspeicher also 6.847 €.



Betriebskosten


Eine Solaranlage gilt generell als wartungsarm. Dennoch fallen Betriebskosten an. Dazu gehören vor allem:

  • Austausch des Wechselrichters

  • Versicherung

  • Inspektion und Wartung


Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom der Photovoltaik-Anlage in Wechselstrom um, der für das Netz gebraucht wird. Er muss in der Regel nach etwa 10 bis 15 Jahren ersetzt werden. Ein üblicher Kaufpreis liegt bei ca. 1.000 €, Hinzu kommen ca. 1.000 € für die Montage.


Dazu kommt die Versicherung, wenn die Anlage z.B. durch Sturm, Hagel, Blitzschlag, Tierbisse oder Diebstahl beschädigt wird. Viele Gebäudeversicherungen decken dieses Risiko gegen eine Gebühr mit ab. Auch eine Betreiberhaftpflicht-Versicherung ist zu prüfen, für den Fall, dass z.B. ein Sturm trotz fachgerechter Montage ein Modul abreißt und das Auto des Nachbarn beschädigt. Viele Privathaftpflichtversicherungen decken aber dieses Risiko bereits ab. Eine gute Versicherung kostet ca. 100 € pro Jahr, so die Stiftung Warentest. Über 20 Jahre gerechnet wären das also 2.000 €, wenn man die Inflation vernachlässigt.


Eine regelmäßige Inspektion und Wartung sind zu empfehlen. Eine Sichtprüfung erkennt beispielsweise Tierbisse an Kabeln, lockere Schrauben oder Bruchschäden am Dach. Sie ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, und Solaranlagen sind nicht sehr störungsanfällig. Viele Hersteller übernehmen eine Garantie nur, wenn die Anlage regelmäßig gewartet wurde, und auch viele Versicherungen setzen eine Wartung voraus, um im Schadensfall tatsächlich zu greifen. Laut Portal energie-experten.org belaufen sich die Kosten auf pauschal 110 € pro Jahr für Anlagen unter 10 kWp. Über 20 Jahre summiert sind das 2.200 €. Zusätzlich muss die Inflation berücksichtigt werden.


Über die Summe der jährlichen Betriebskosten machen einschlägige Studien folgende Angaben:


Beispiel:


Für eine Solaranlage mit einer Leistung von 8,1 kWp belaufen sich die Betriebskosten auf 211 € pro Jahr (netto), wenn man die Annahmen des Fraunhofer Instituts und der HTW Berlin zugrunde legt. Über 20 Jahre summiert sind das 4220 € netto, wenn man die Inflation vernachlässigt.



Monitoring, Fernwartung und Softwarepaket


Mit einem Monitoring und einer Smart-Home-App hat man immer im Blick, was die Anlage produziert, was sie ins Netz einspeist, und wie viel man verbraucht. Fehler und Störungen werden automatisch erkannt und können zeitnah behoben werden. Man kann hierauf zwar verzichten, hat dann aber auch keine Live-Überwachung der Solaranlage.


Eine moderne Software hat auch ein intelligentes Energiemanagement inkludiert, das regelmäßig um weitere Funktionen erweitert wird. So können Sie beispielsweise den Lademodus für das E-Auto so programmieren, dass das Auto dann lädt, wenn gerade besonders viel kostengünstiger Solarstrom im Netz ist. Auch weitere Funktionen sollten bald dabei sein, wie z.B. das Teilen des Stroms mit den Nachbarn.


Eine marktübliche Solar-App mit Monitoring kostet derzeit ca. 5€ bis 6€ pro Monat. Die Plattform energie-experten.org beziffert die Kosten für ein Fernwartungssystem auf pauschal 70€ jährlich. Nimmt man nur 60€ jährlich als Grundlage, summieren sich die Kosten über 20 Jahre auf 1200 € (netto) zuzüglich der Inflation.



Finanzierungskosten


Wer eine Solaranlage kauft, muss auf einen Schlag eine hohe Summe auf den Tisch legen. Dafür muss man entweder einen Kredit aufnehmen und zahlt dafür Zinsen. Oder man hat das Geld auf der hohen Kante liegen - und kann dann das Geld weder anderweitig ausgeben, z.B. für eine Reise, noch alternativ investieren, z.B. in Wertpapiere, und verzichtet so auf diese Gewinne.


Selbst wer keinen Kredit aufnehmen muss, sondern Erspartes investiert, hat also faktisch Finanzierungskosten. Denn er kann das Geld nicht mehr anderweitig ausgeben oder investieren, etwa in Wertpapiere. Laut Finanztest erbrachte eine Investition in den globalen Aktienmarkt im Schnitt der letzten 30 Jahre einen Wertzuwachs von 7% pro Jahr. Diese entgangenen Gewinn- oder Konsummöglichkeiten muss man ebenfalls berücksichtigen. In der Ökonomie sagt man dazu “Opportunitätskosten”: Das sind die Gewinne, die einem entgehen, weil man sich für eine andere Investition entscheidet.


Zwar bietet die staatliche KfW-Förderbank relativ günstige Kredite für Solaranlagen an. Aber selbst hier betragen die Zinsen für die günstigsten Risikoklassen bereits 2,51% bis 3,82%. Und: Hauseigentümer müssen eine Bank finden, die den KfW-Förderkredit vermittelt - das ist in der Praxis oft gar nicht so einfach.


Die Tabelle zeigt Beispiele für Zinssätze. Hier wird auch ersichtlich, dass die Zinskosten zuletzt deutlich höher geschätzt werden.

* Annahme: 100% Eigenkapital​, kalkulatorischer Zinssatz

** 10 Jahre Sonderkredit energetische Modernisierung, Quelle: Finanztest Nr. 3/2021

*** Annahme: WACC mit 5% Renditeerwartung auf 20% Eigenkapital und 3% Zinsen auf 80% Fremdkapital​

**** 20 Jahre, energetische Modernisierung, mit/ohne dingliche Absicherung, Quelle

***** KfW- Programm Erneuerbare Energien Standard - Laufzeit 20 Jahre, Risikoklassen A bis C, 10 bzw. 20 Jahre Zinsbindung​. Quelle



Beispiel:


Für eine Solaranlage mit 8,1 kWp Leistung und einen Stromspeicher mit 10 kWh Kapazität betragen die Anschaffungskosten 22.460 € netto. Nehmen wir einen Zinssatz von 3,4 % und eine Laufzeit von 20 Jahren an, entstehen Finanzierungskosten von 8.526 €.



Gesamte Kosten einer Solaranlage zum Kauf


Über die ersten 20 Jahre Betriebsdauer und inklusive der Finanzierungskosten kostet eine Solaranlage inklusive Speicher damit insgesamt 40.681 €.


Gerechnet wurde hier immer in nominalen Werten, d.h. ohne Berücksichtigung der Inflation und ohne Diskontierung. Die Tabelle gibt also eine vereinfachte Rechnung wider.


Hier nochmal als Zusammenstellung:

* bzw. 5.754 € (mit Berücksichtigung der Inflation) bzw. 6.847 € (mit Berücksichtigung der Mehrwertsteuer, da nicht vorsteuerabzugsfähig)

** für die Anschaffungskosten



Was kostet eine Solaranlage zur Miete?


Die Rechnung für die Kosten der Miete ist deutlich einfacher: Beim Anbieter Enpal beträgt die Miete 169,00 € pro Monat all-inclusive (netto) für eine Solaranlage mit einer Leistung von 8,1 kWp und einen Speicher mit 10 kWh.


In der Miete ist inklusive:

  • Anschaffungskosten für die Photovoltaikanlage

  • Anschaffungskosten für den Batteriespeicher

  • Austausch der Batterie, sobald ihre Leistung unter 70% fällt

  • Versicherung

  • Inspektion und Wartung

  • Smart Home App, Monitoring, Fernwartung

  • Austausch des Wechselrichters

  • Finanzierungskosten

  • Auch weitere Kosten wie der Austausch des Stromzählers sind bereits im Preis inklusive.


Als Mieter einer Solaranlage hat man größtmögliche Kostentransparenz, da alle Kosten für den Betrieb und den Austausch defekter Bestandteile bereits im Preis inklusive sind.


Die Enpal Miete steigt auch dann nicht, wenn die Inflation 2% beträgt. Dadurch erhält man zusätzlichen Schutz gegen Inflation.


Die Gesamtkosten der Miete betragen 40.560 € (netto) über 20 Jahre. Die Inflation von 2% jährlich ist hier bereits berücksichtigt.


Hier in der Übersicht:



Fazit: Solaranlage mieten oder kaufen?


Wer eine Solaranlage möchte, hat heute zwei Möglichkeiten: mieten oder kaufen. Für beide Optionen gibt es gute Argumente.


Wer eine Solaranlage mietet, schätzt das Rundum-Sorglos-Paket, die Kostentransparenz und den einfachen Zugang. Wer dagegen vieles selbst in die Hand nehmen möchte, keinen Kredit benötigt und sein Erspartes keinesfalls anders verwenden oder investieren möchte, für den ist auch der Kauf eine gute Option.


Bei einem ehrlichen Vergleich sind die Kostenunterschiede je nach Anlagengröße und Rechenweise meist eher gering und hängen davon ab, wie genau man rechnet und welche Faktoren man einbezieht.


Egal, ob man seine Solaranlage lieber kauft oder mietet: Eine Solaranlage lohnt sich langfristig immer - für den eigenen Kontostand, und erst recht für die Zukunft unserer Kinder.




Quellen


Für diese Übersicht wurden folgende Quellen genutzt:



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