Anlässlich des Demografiegipfels hat die Bundesregierung einen Online-Dialog zum demografischen Wandel gestartet, den ich moderiere. Dort könnt ihr mitreden, wie der Generationenvertrag erneuert und der Zusammenhalt zwischen Jung und Alt gestärkt werden kann. Welchen Impact das alles hat, lässt sich nicht genau sagen, aber auf jeden Fall wird der Dialog in den Ministerien wahrgenommen, das heißt, ihr werdet auf jeden Fall “ganz oben” gehört. Lohnt sich also. “Die Ergebnisse sollen auf einer Veranstaltung im Bundesinnenministerium im Herbst 2013 weiter diskutiert werden und dem Arbeitsgruppenprozess zur Demografiestrategie neue Impulse geben”, heißt es beim Ministerium offiziell. Und es wird eine Abschlussveranstaltung geben, bei der die Ergebnisse aus dem Online-Dialog besprochen werden. Ich freue mich auf eure Beiträge – hier mitreden!
Es ist ja immer wieder erstaunlich, wenn man liest, was andere Leute von einem halten. So schreibt ein Artikel in der FAZ (“Ohne Halt bis zur Chefetage”), ich sei ein Rebell, der wegen seines Anzugs (und trotz Dreitagebarts) nicht weiter auffalle (der Mann hat meine roten Socken nicht gesehen, hah! ;)) und dem das Karrieredenken fehle (was, denke ich, eher positiv gemeint war und was tatsächlich stimmen mag). Der Artikel entstand am Rande des St. Gallen Symposiums, einem Wirtschaftstreffen in der Schweiz. Hier der Artikel:
200 “Leaders of Tomorrow” zählt das alljährlich stattfindende Symposion der Hochschule St. Gallen. Für das Auswahlkomitee gehört Wolfgang Gründinger zu den besonders bemerkenswerten Vertretern. Vielleicht sind es flotte Sprüche wie “Wir sollten nicht Leaders of Tomorrow, sondern Veränderer von heute sein”, mit denen er aus dem Kreis der anderen eingeladenen Hoffnungsträger herausragt. Auffällig ist in jedem Fall, dass dem Doktoranden der Humboldt-Universität Berlin das gezielte Karrieredenken fehlt, das viele Studenten in St. Gallen, einer der Kaderschmieden für Wirtschaftsstudenten im deutschsprachigen Raum, an den Tag legen. Im vorigen Jahr habe er sich angesichts der vielen stromlinienförmigen Kollegen aus dem Finanzsektor als Quotenlinker empfunden, berichtet Gründinger. Dieses Jahr sei es anders, da herrsche doch mehr kritisches Bewusstsein. Die Studenten und prominenten Ehemaligen der Hochschule, die das Klein-Davos zum 43. Mal organisierten, hätten gute Arbeit geleistet.
Der Achtundzwanzigjährige kommt gerade von einer Diskussionsveranstaltung über die Finanzbranche – und ist immer noch erbost. Auf dem Podium saßen Top-Shots der Branche – Sergio Ermotti von der UBS, Douglas Flint von HSBC, Urs Rohner von der Credit Suisse und Martin Senn von Zurich Insurance – und legten sich ins Zeug. Doch statt einer gewissen Distanz zum eigenen Tun herrschte vor allem Selbstgefälligkeit, befindet Gründinger; dies nach der Finanzkrise, angesichts ungebrochener Gehaltsexzesse und der Finanzierung von Waffen sowie anderen ”unethischen” Engagements. Da beeindruckten ihn mehr der Bürgermeister von Mogadischu, der dieses “Himmelfahrtskommando” nicht scheut, und die sozialen Jungunternehmer, die zum Beispiel Solaranlagen zur Energieversorgung von Armen auf Haiti bauen.
Mit seinem schwarzen Anzug und Krawatte fällt der rebellische Nachwuchsmann in St. Gallen nicht auf. Auch der Dreitagebart ist gang und gäbe. Nebenan sitzt ein CEO und plaudert mit einer kleinen Gruppe anderer “Leaders of Tomorrow”. Berührungsängste bestünden nicht, glaubt Gründinger, die rund 600 Wirtschaftsvertreter zeigten in den Begegnungen zwischen Alt und Jung keinerlei ”onkelhafte” Allüren. Neben seiner Doktorarbeit betätigt sich der Wahl-Berliner als Buchautor. Er könne davon leben, sagt er. Daneben engagiert er sich im entwicklungskritischen “Club of Rome”. Sein eigentliches Thema ist neben der Energiepolitik (“Ökologie ist überhaupt das Wichtigste”, so Gründinger in diesem Zusammenhang) die Lage der jungen Generation in Deutschland. Hier verfügt Gründinger als Vorstand in der “Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen” über eine institutionelle Plattform. Für Bildung und Chancengleichheit stehe viel zu wenig Geld zur Verfügung, findet er. Die Stiftung verlangt von den heutigen Rentnern einen “Generationen-Soli”. Daneben fordert sie ein Wahlrecht ohne Altersbegrenzung. In St. Gallen wurde das nicht diskutiert. Selbst unter dem diesjährigen Motto “Mut belohnen” wäre dies wohl doch etwas zu viel des Extremen gewesen.
Interview mit heute.de // ”Dass es immer mehr alte Menschen gibt, ist eine echte Chance”, sagt der 28-jährige Politik- und Sozialwissenschaftler Wolfgang Gründinger im heute.de-Interview. Er plädiert anlässlich des heutigen Demografiegipfels für eine “demografische Dividende” – Geld, das den Jüngeren zugute kommen soll.
heute.de: Der demografische Wandel gilt als großes Problem – Sie plädieren für eine positive Sicht. Wie geht das?
Wolfgang Gründinger: Es geht nicht darum, das Thema einseitig positiv zu sehen. Aber meistens wird der demografische Wandel ja als einzige Katastrophe dargestellt! Und das ist eben auch einseitig und entspringt einer verengten Sicht: Alle Statistiken zeigen, dass die Menschen älter werden, dass der Altenquotient dramatisch steigt – vernachlässigt wird aber, dass die Menschen länger gesund bleiben, also zum Beispiel länger produktiv sein können. Deswegen sollten wir den demografischen Wandel nicht als Schicksal erdulden, das über uns hinwegfegt wie eine Naturkatastrophe, sondern die Chancen erkennen und den Wandel gestalten.
“Voller Elan trat Wolfgang Gründinger vor über zwölf Jahren in die SPD ein. Doch im Laufe der Jahre staute sich Frust über den Politikbetrieb an – und er trat als “Doppelagent” den Piraten bei. Weil er überzeugt ist: Dieses Land muss sich verändern. Statt verkrusteter Parteistrukturen brauchen wir eine neue demokratische Kultur, in der Politik nicht von oben, sondern von unten gemacht wird. Aber können die Piraten das wirklich erreichen?
Was Wolfgang Gründinger mit den Piraten erlebte, warum er seine SPD wieder schätzen gelernt hat und wie er sie verändern will – davon erzählt er in diesem außergewöhnlichen Buch.”
»Selbst für die meisten Piraten ist es nicht besonders einfach, die Piratenpartei zu verstehen. Für Außenstehende ist es sogar sehr schwierig – mit Wolfgang Gründingers Buch aber nicht.« Sascha Lobo
“Gründinger gelingt es wie meines Wissens keinem anderen Autor zuvor, die Piraten, ihre Anliegen und Protagonisten sachlich, kompetent und unterhaltsam darzustellen, was angesichts unzähliger journalistischer Fehlleistungen, pseudoakademischer Kaffeesatzleserei und publizistischer Hybris einfach nur wohltut. Schon allein deshalb sollte jeder, der die Piraten wirklich verstehen will, dieses Buch unbedingt gelesen haben. Aber auch und gerade Piraten empfehle ich das Taschenbuch (oder einen Download …), denn Gründinger spart nicht mit fundierter und leider sehr berechtigter Kritik an Strukturen und konkreten Aktionen.” (Markus Kompa, Blogger und Pirat)
“Ein starkes Plädoyer für mehr Helden, um die Demokratie im Zeitalter der digitalisierten Gesellschaft weiter zu entwickeln, um die Herausforderungen der heutigen Zeit adäquat zu beantworten und ein Denkanstoß für die SPD.” (Dennis Morhardt, Netzaktivist, ehem. SPD- und ehem. Piraten-Mitglied und Initiator des SPD-Mitgliederbegehrens gegen Vorratsdatenspeicherung)
“flüssig und gut lesbar geschrieben. Es ist emotional, kurzweilig, analytisch, so sachlich wie nötig und vorurteilsfrei.” (Enno Lenze, Piraten Berlin, stv. Pressesprecher)
Das Plädoyer für Generationengerechtigkeit sei eine „unbrauchbare Formel“, die allenfalls als „Indiz eines verlorenen Zukunftsglaubens“ tauge, befand der Soziologe Heinz Bude kürzlich in der Zeitschrift Lettre. Schließlich könnten wir nicht wissen, in welcher Welt unsere Nachfahren einmal leben würden – schon daher komme die Forderung nach Generationengerechtigkeit allzu „naiv“ daher. Dabei erliegt er einigen Missverständnissen. Eine Replik
(veröffentlicht in: “Revue – magazine for the next generation”)
Generationendialog zwischen Wolfgang Gründinger und der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am 18.4.2013 in der Staatskanzlei Saarbrücken (Bericht)
Was passiert mit der jungen Generation, wenn in einer Gesellschaft die Entscheidungsmacht in den Händen der älteren Menschen liegt? In einem Radiointerview mit detektor.fm sprach ich zur Gerechtigkeit zwischen den Generationen.
Sie sind viele, sie sind reich, und sie sind mächtig: Die Babyboomer bestimmen, wo es langgeht – in der Politik, in der Wirtschaft, in der Kultur. Warum kommen die Jüngeren nicht gegen sie an? Eine Polemik in der ZEIT befasst sich mit der Macht der Babyboomer, mit ausführlichen Zitaten von mir.
Die SPD muss sich radikal neuen Ideen, Strukturen und Klienteln öffnen. Gemeinsam mit Yannick Haan habe ich ein Impulspapier verfasst, um den Berliner SPD-Landesverband zu modernisieren. Unsere Impulse sind zeitnah umsetzbar und werden die SPD nicht revolutionieren – aber können die ungenutzten Chancen der Beteiligung nutzen, mehr Interessierte ansprechen und Mitglieder besser aktivieren und einbeziehen, und sind mit verhältnismäßig wenig Aufwand zeitnah umzusetzen. Die SPD steht in der Tradition einer sozialen Demokratie. Seit 150 Jahren hat sie bewiesen, sich immer wieder modernisieren und auf neue Zeiten einstellen zu können. Dafür möchten wir mit diesem Aufruf einen Beitrag leisten.
In seiner Rezension meines Buches „Meine kleine Volkspartei – Von einem Sozi, der absichtlich Pirat wurde“, kritisiert Stephan Klecha von der Uni Göttingen, ich verfiele darin “einer überaus populären, aber nicht gerade ungefährlichen Kritik moderner Demokratien“. Dem ist zu widersprechen: Die Piraten sind angetreten, Selbstverständlichkeiten unseres parlamentarischen Betriebssystems zu hinterfragen – und dürfen nicht als Feind der Demokratie diskreditiert werden. Wir müssen uns vielmehr streiten, ob unsere Demokratie immer genauso bleiben muss, wie sie heute ist. In meiner Replik auf Cicero.de schreibe ich, was wir von den Piraten lernen können – und wo ein Fragezeichen setzen.
Zum 300. Geburtstag des Wortes “Nachhaltigkeit” (erstmals wird das Wort ja erwähnt in einem Buch des Oberberghauptmann von Carlowitz über die Forstwirtschaft) habe ich es geschafft, heute früh um 8:40 Uhr im Deutschlandradio erstens üNachhaltigkeit mit Sex zu vergleichen und dabei zweitens die Jugend zu lästern. Das Interview gibts hier zum Nachlesen und Anhören.
Mit politik-digital.de habe ich über mein Buch “Meine kleine Volkspartei” gesprochen. Darin spreche ich über meine Erfahrungen bei den Piraten, die ersten Reaktionen auf mein Buch, was die SPD von den Piraten lernen kann – und umgekehrt, was die Piraten sich von der SPD abschauen können. weiterlesen…
Bei den Ulmer Denkanstößen haben sich Wissenschaftler, Praktiker, Journalisten und Politiker über die Zukunft des Alterns und die Solidarität der Generationen Gedanken gemacht, unter anderem auch mit einem Impulsvortrag von mir. Die Beiträge sind dokumentiert als Videostreams sowie als Abstracts in einer PDF-Broschüre.
Für die Zeitschrift “chrismon” habe ich mit der ehem. Bundestagspräsidentin und ehem. Bundesfamilienseniorenfrauenundjugendministerin Rita Süßmuth (CDU) über Solidarität und Gerechtigkeit zwischen den Generationen gesprochen.
“Der Fiskalpakt ist ein wichtiger Beitrag zur finanziell generationengerechten Finanzpolitik, wenn er durch ein Investitionsgebot flankiert wird. Man darf dabei jedoch nicht den Fehler begehen, bei der Sanierung der europäischen Haushalte einseitig auf Sparprogramme zu setzen – gerade in den Ländern, in denen jeder zweite junge Mensch arbeitslos ist. In seiner jetzigen Fassung ohne flankierende Maßnahmen zur Verbesserung der Staatseinnahmen und für eine Wachstumsperspektive verschärft der Fiskalpakt die ohnehin angespannte Situation und führt zu Kürzungen insbesondere im Bildungs- und Sozialbereich, was die junge Generation am stärksten trifft.
Für die Abtragung der eigenen Schulden muss jedes Land selbst verantwortlich bleiben. Die EU sollte jedoch – dem Votum des Sachverständigen- rates folgend – einen Altschuldentilgungsfonds einrichten, um die Schulden zu bündeln und dadurch die Zinssätze zu dämpfen.
Die SRzG spricht sich zudem für ein europäisches Zukunftsinvestitionsprogramm aus, um konjunkturelle Impulse mit einem strukturellen Umbau der Wirtschaft zu verbinden. Damit sollen das Recht auf Ausbildung und Arbeit für junge Menschen gestärkt und die Wende zu einer ökologisch nachhaltigen Energieversorgung vorangetrieben werden.”
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