Wie man als Buchautor (über)lebt

„Du bist Autor? Äh… Und davon kann man leben?“ Die Standardfrage ist so leicht nicht beantwortet. Aber es geht: Man wird nicht reich vom Bücher schreiben (es sei denn, man heißt Thilo Sarrazin und schreibt konfuse Dinge über Integrationspolitik, dann winkt schon mal ne Million), aber man kann davon leben, zumindest in Berlin (billige Mieten, Cafés mit W-LAN und Steckdosen, günstiger Espresso). Mit der Rentenvorsorge wird’s allerdings schon wieder schwieriger.

Doch der Reihe nach: Man muss erst einmal einen Verlag finden, der das Buch verlegt. Prinzipiell kann man sein Werk auch über Internetdienste wie Books on Demandselbst verlegen, aber das bringt für die Mehrzahl der Autor_innen nicht den erhofften Erfolg, da die Bücher dann nicht in den Buchhandlungen liegen und Spontankäufe damit wegfallen, die aber den Großteil der Leserschaft ausmachen. Daher an die Verlage rantreten, und zwar an die seriösen unter ihnen, denen man nicht erst einen Druckkostenzuschuss zahlen muss.

Der Markt ist heiß umkämpft und nicht alle guten Bücher schaffen es. Im Gegenteil, sogar viele schlechte Bücher schaffen es, von denen die Verlage aber erwarten, dass sie sich verkaufen. „Big names“ wie Helmut Schmidt verkaufen sich immer, egal was drin steht. Genauso wie Katzenkalender, die kaufen die Leute auch. Man könnte daher sagen, Bücher von Helmut Schmidt sind wie Katzenkalender.

Man kann zwar sein Exposé (= 1-2 Seiten mit Teaser, Inhaltszusammenfassung, wichtigste Thesen, Informationen zum Autor/zur Autorin) direkt an das Lektorat der Verlage schicken, aber das ist oft von wenig Erfolg gekrönt, da die Exposés es oft gar nicht erst zum Lektorat schaffen, weil sie vorher radikal aussortiert werden (vermutlich von Praktikant_innen). Am besten man sucht sich eine/n Agenten/in, der/die schon einmal kritisch über das Exposé schaut und Ratschläge gibt, ob es marktfähig sein könnte, die Kontaktaufnahme zu den Lektor_innen herstellt (in der Buchbranche kennt man sich, sodass das Manuskript wenigstens direkt den Weg zum verantwortlichen Lektorat findet und nicht schon bei der Vorauswahl hängen bleibt). Außerdem kennt sich der Agent/die Agentin mit dem marktüblichen Vertragskonditionen und den Honoraren aus, sodass gerade unbekannte und unerfahrene Newcomer von deren Verhandlungsgeschick profitieren und die Vertragskonditionen nicht erst von befreundeten Jura-Student_innen gegenchecken lassen müssen.

Ein/e Agent/in kostet 15% der Einnahmen aus den Buchverkäufen, macht die Kosten aber durch das normalerweise höhere Honorar wieder wett. Das Honorar beläuft sich auf vierstellige Euro-Beträge, wenn’s gut läuft, auch mal auf einen kleinen fünfstelligen Betrag. Es wird meist in Tranchen ausbezahlt, also z.B. ein Vorschuss zum Schreiben des geplanten Buches, dann die zweite Tranche bei der Abgabe des Manuskripts, und evtl. eine dritte Tranche bei Veröffentlichung. Das Honorar ist meist so bemessen, dass aus dem Verkauf des Buches dann keine weiteren Erlöse mehr an den Autor/die Autorin fließen, wenn es nicht gerade zum unerhofften Verkaufsschlager wird.

Vom Buchverkauf alleine kann man aber nicht leben. Das meiste Geld kommt von Honoraren für Lesungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen usw.; außerdem gibt es diverse Literaturpreise.

Sozialversichert sind Autor/innen bei der Künstlersozialkasse (KSK) für Rente, Gesundheit, Pflege. Für jede/n, der/die mehr als einen bestimmten Bagatellbetrag mit seiner Autorentätigkeit verdient und nicht einer anderen mehr als geringfügigen, nicht künstlerisch-publizistischen Tätigkeit nachgeht, muss sich dort pflichtversichern. Das Gute daran: Man zahlt nur die Hälfte der Beiträge (quasi den Arbeitnehmerbeitrag), weil die andere Hälfte (quasi der Arbeitgeberbeitrag) über eine pauschale Freiberuflerabgabe von Unternehmen finanziert wird. Die KSK ist ein Geschenk an die Kreativszene in Deutschland, weil auch Niedrigverdienende sich so günstig absichern können. Dankt daher der SPD, die 1982 die Künstlersozialkasse ins Leben rief.

Steuertechnisch meldet man sich auf dem Finanzamt wohl am besten als freiberufliche/r Publizist/in an. Wer weniger als (geschätzte) 15.000€ pro Jahr verdient, fällt unter die so genannte Kleinunternehmerregelung und muss keine Mehrwertsteuer abführen. Wer mehr verdient, muss auf seinen Rechnungen die Mehrwertsteuer draufschlagen.

Wer schreibt und publiziert, kann einen Presseausweis beantragen z.B. beim Deutschen Journalistenverband (DJV), dem Deutschen Fachjournalistenverband (DFJV), der Deutschen Journalisten-Union (DJU), einem Ableger von ver.di. Es gibt außerdem den Verein„Freischreiber“ für freie Journalist_innen. Mit dem Presseausweis kommt man leichter (und kostenfrei) auf viele Events, die für die allgemeine Öffentlichkeit nur begrenzt oder gar nicht zugänglich sind, und hat außerdem diverse vergünstigte Pressekonditionen bei einer ganzen Reihe an Firmen (obwohl vermutlich lukrativ, habe ich sie selbst aber nur ein- oder zweimal genutzt, um vergünstigte Flüge zu bekommen). Außerdem bieten die Verbände Beratung in Sachen Steuern, Recht, Sozialversicherungen usw., sowie Möglichkeiten zur Vernetzung und Weiterbildung. Es lohnt sich also durchaus, dort Mitglied zu werden.

Man sollte eine Homepage haben und aktuell halten (Beispiel: mein Blog), um bei Google-Suchen zu bestimmten Themen auch aufzufallen und so in den Karteien von Veranstaltungsagenturen und Talkshow-Redaktionen zu landen. Wer einmal eingeladen wird und sich bewährt, wird normalerweise immer wieder eingeladen.

Wer Sachbücher schreibt, tut übrigens gut daran, sich auf ein Thema zu spezialisieren (es ist ein Irrtum zu glauben, „Köpfe“ ließen sich von „Themen“ trennen; Menschen kaufen Bücher nicht nur wegen des Themas, sondern auch wegen des Autoren/der Autorin).

Und dann muss man natürlich noch ein Buch schreiben, mit dem man ganz groß rauskommt. Viel Spaß dabei!

veröffentlicht auf dem Kreativblog Berlin, 8.12.2012