Interview: „Der Zukunftssucher“

Wolfgang Gründinger ist wütend: Er sieht eine einflussreiche Generation der Alten am Werk, die voller Ängste und Ignoranz die Zukunftschancen der Jungen verspielt. Sein Vorschlag: Überall da, wo die Zukunft verhandelt wird, brauchen wir eine Jugendquote. Portrait und Interview MERTON, dem Magazin des Stifterverbands.

Wolfgang Gründinger versteht sich als Zukunftslobbyist und Generationenerklärer und veröffentlicht Bücher mit markanten Titeln wie „Alte-Säcke-Politik“ und „Aufstand der Jungen“. Der 32-Jährige gehört aber keineswegs zu den jungen Wilden, die fortwährend provozieren wollen. Er schafft es, in Talkrunden Themen deutlich und teils scharf anzusprechen, ist dabei aber erfrischend diplomatisch und offen. Selbst wenn Wutrentner ihm an den Kragen wollen, erklärt Gründinger beharrlich seine Standpunkte weiter, was ihm viel Respekt einbrachte. Er versteckt sich nicht, bietet aber auch erstaunlich wenig Angriffsfläche. Kontrahenten entwaffnet der junge promovierte Politikwissenschaftler mit Diskussionsbereitschaft, Verständnis und interessiertem Zuhören.

Wolfgang Gründinger gehört zu der Generation, die eine Trennung zwischen online und offline zwar noch kennt, aber nicht mehr lebt. Der 32-Jährige ist immer mit dem Internet verbunden, was längst nicht heißt, dass er permanent nur surft. Wenn er Freunde auf ein Glas Wein trifft, bleibt das Smartphone in der Tasche. Gründinger spielt Beachvolleyball, tanzt Salsa und läuft Halbmarathon, entspannt aber auch gerne mit Netflix.

Mit 16 Jahren setzte er seinen ersten Computer gegen den Willen seiner Mutter durch, den Internetzugang ebenso. Seine erste Spielekonsole war eine Nintendo NES, später daddelte der Teenager mit einer Super Nintendo. Um online zu gehen, musste er damals noch das Modem ein- und ausstöpseln. Das Telefon war blockiert, wenn er surfte, was ihm weitere Diskussionen mit seiner Mutter einbrachte, die sich damals nicht vorstellen konnte, was in diesem Internet vor sich ging.

Heute nutzt Wolfgang Gründinger Facebook und Twitter als Newsstreams. Rückendeckung und Inspiration holt er sich von Freunden und aus dem in London angesiedelten Sandbox Network für Entrepreneure, wo er seit rund fünf Jahren Mitglied ist. TED-Talks oder Aufzeichnungen von Paneldebatten auf YouTube sieht der Politikwissenschaftler als hervorragende Weiterbildungsinstrumente an, auch wenn sie keine Zertifikate bieten wie Massive Open Online Courses (MOOCs). Was aus seiner Sicht längst überfällig ist? Ärztliche Fernbehandlungen wie Videosprechstunden, die schnell legalisiert werden sollten.

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